„Schiestlhaus 4,5 Stunden“, steht am Wegweiser. Wer uns kennt weiß, das wird sich nicht ausgehen. Nicht weil wir körperlich dazu nicht in der Lage wären, sondern weil es abseits der Wege so viel zu entdecken gibt. Plus zwei Stunden, Minimum.

Jetzt ist es 8 Uhr, wir stehen vorm Gasthof Bodenbauer, der Sonnenuntergang am Hochschwab sollte sich also ausgehen. Wir brechen auf und mit dem ersten Blick nach oben kommt mir der Gedanke, der mir in diesem Moment immer in den Kopf schießt: „Hätte ich vielleicht doch weniger Fotoausrüstung mitnehmen, vielleicht doch auf das eine oder andere Objektiv verzichten sollen!“ Jetzt nicht schwach werden, weitergehen, durchhalten und immer daran denken wie du dich am Gipfel ärgerst, wenn du ein Teil nicht dabei hast.

Das Trawiestal empfängt uns mit einem Stück feinstem Rasen. Ein wunderschönes, weitläufiges Tal ohne Anzeichen für Zivilisation, aber ein Stück schön geschnittener Rasen am Eingang. Die Fußmatte ins Paradies.


Der Blick zurück ins Tal ist beindruckend. Wir machen die erste von gefühlten zwanzig Pausen. Ich verdrücke zwei von meinen Wurstsemmeln, um etwas Gewicht aus meinem Fotorucksack zu bekommen und mache mir weiterhin Gedanken, warum es da unten ein Stück Rasen gibt.


Das Trawiestal liegt hinter und das G´hackte vor uns. Jetzt kommen zum Gewicht des Rucksacks nochmal fünf Kilo Hund dazu. Oxi, unsere kleine Hündin, kann die steilen Leitern nicht selbstständig bezwingen. Ausgestattet mit einem sicheren Hundegeschirr hängt sie jetzt im wahrsten Sinne des Wortes an mir.

Mit festem Boden unter den Pfoten und dem Hochschwab im Augenwinkel geht es weiter Richtung Schiestlhaus. Unser Hund kann der Versuchung sich ein paar leckere „Schwammerl“ reinzuziehen nicht wiederstehen und wir müssen eine längere Pause einlegen. Oxis Nahtoderfahrung gibt mir Gelegenheit, mich um meine letzte Wurstsemmel zu kümmern. Ein wenig in Sorge um unseren Vierbeiner gehen wir den direkten Weg zum Schiestlhaus.


Das Schiestlhaus ist das erste hochalpine Passivhaus und die höchstgelegene Hütte der Hochschwabgruppe. Benannt ist die Hütte nach Dr. Leopold Schiestl (Präsident des OTK von 1870 bis 1880). Von der Hütte ist der Gipfel des Hochschwab in einer Gehzeit von ca. 30 Minuten erreichbar. Bis zur Voisthaler Hütte sind es ca. 1¼ Stunden, bis zur Häuslalm (unser Rückweg) ca. 3 Stunden – wir rechnen mit 5 bis 6 Stunden.


Jetzt heisst´s warten und hoffen. Warten bis die Sonne untergeht und hoffen, dass das Wetter hält. Die Wartezeit überbrücken wir mit der Aufnahme wichtiger Elektrolyte – umgangssprachlich auch „Krügerl“ genannt. Der Umstand, dass man plötzlich keine fünf Meter mehr sieht, macht mich zwar ein wenig nervös, aber ich bin mir sicher, es wird sich wieder verziehen. DRAUSSEN ERLEBEN heißt auch das Wetter so zu nehmen wie es ist und das Beste daraus zu machen. Der Wettergott meint es wiedermal gut mit uns, der Nebel verzieht sich und der Himmel zeigt sich von seiner schönsten Seite.


Die Tour
  • Gasthaus Bodenbauer – Trawiesalm – G`hacktbrunnen – G`hackte – Fleischer Biwakhütte – Schiestelhaus (Nächtigungsmöglichkeit auch mit Hund) – Fleischer Biwakhütte – Rauchtalsattel – Hundsböden – Häuslalm – Gasthaus Bodenbauer
  • Aufstieg: ca. 4,5 Stunden
  • Abstieg: ca. 5,0 Stunden
  • Länge: ca. 18,5 km

Chris